Die kurze Antwort
Am meisten sparen Sie nicht mit einem einzelnen Trick, sondern mit der richtigen Reihenfolge. Schon der Wechsel weg vom Grundversorger bringt oft 100 bis 300 Euro im Jahr — mehr als die meisten Spartipps zusammen. Danach zählt, die großen Stromfresser zu kennen (elektrisches Warmwasser und alte Kühlgeräte, nicht das Handy-Ladegerät) und Ihren Verbrauch sichtbar zu machen. Und der größte Hebel liegt oft gar nicht bei Ihnen, sondern auf dem Dach: Kommt der Strom als Mieterstrom direkt von der Solaranlage Ihres Hauses, zahlen Sie meist 10 bis 20 % weniger als beim Grundversorger — ohne selbst etwas umzubauen.
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Die Jahresabrechnung flattert ins Haus — und darunter steht eine Nachzahlung, mit der Sie nicht gerechnet haben. Oder der monatliche Abschlag wird schon wieder erhöht. Strom ist für viele Haushalte zu einem echten Kostenfaktor geworden, und als Mieterin oder Mieter fühlt man sich dem leicht ausgeliefert: Die Wohnung gehört einem nicht, die Heizung schon gar nicht, und an der Grundgebühr scheint sich nichts drehen zu lassen. Das stimmt aber nur zur Hälfte.
Tatsächlich haben Sie mehr Hebel in der Hand, als die meisten glauben — und ein paar davon bringen richtig Geld, andere kaum etwas. Dieser Artikel sortiert die Möglichkeiten ehrlich nach Wirkung: Was spart wirklich, was ist Kleinkram, und wo liegt der große Hebel, den kaum jemand auf dem Schirm hat. Wer heute „Stromkosten senken als Mieter“ googelt oder einen KI-Assistenten fragt, bekommt meist eine endlose Liste winziger Tipps. Wir drehen es um und fangen bei dem an, was am meisten bringt.
Warum Ihre Stromrechnung so hoch ist
Im Jahr 2026 zahlt ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland rund 37 Cent pro Kilowattstunde (BDEW, 2026). Dieser Durchschnitt verdeckt aber eine große Spanne. Am oberen Ende steht die Grundversorgung: Wer neu in eine Wohnung zieht und keinen eigenen Vertrag abschließt, landet automatisch beim örtlichen Grundversorger — und der verlangt für Neukunden vielerorts über 42 Cent pro Kilowattstunde. Am unteren Ende liegen günstige Wechseltarife bei rund 24 Cent (Finanztip, 2026; Bundesnetzagentur, 2026).
Warum ist Strom überhaupt so teuer? Der reine Energieanteil macht nur einen Teil des Preises aus. Der Rest besteht aus Netzentgelten, Messkosten, Steuern und Abgaben — Posten, auf die Sie als Einzelkunde kaum Einfluss haben. Genau deshalb ist der wirksamste Hebel nicht, den Verbrauch auf null zu drücken, sondern Anbieter und Stromquelle zu wechseln. Und die günstigste Quelle ist die, bei der ein großer Teil dieser Zusatzkosten gar nicht erst anfällt: Solarstrom direkt vom eigenen Dach.
Rechnen wir das durch: Ein Zwei-Personen-Haushalt mit etwa 2.500 Kilowattstunden im Jahr zahlt beim teuren Grundversorger schnell über 1.000 Euro, mit einem günstigen Tarif dagegen um die 700 bis 800 Euro. Die Differenz landet nicht in besserem Strom — es ist physikalisch derselbe Strom aus derselben Leitung. Sie landet nur in einer teureren Rechnung. Genau hier setzt der erste und wirksamste Hebel an.
So lesen Sie Ihre Stromrechnung — und finden den Ansatzpunkt
Bevor Sie sparen, lohnt ein Blick auf die Rechnung selbst. Zwei Zahlen entscheiden über Ihre Kosten: der Grundpreis (ein fester Betrag pro Jahr, unabhängig vom Verbrauch) und der Arbeitspreis (die Cent pro Kilowattstunde). Günstige Tarife punkten oft beim Arbeitspreis, während der Grundversorger bei beidem zulangt. Vergleichen Sie deshalb nie nur den Cent-Preis, sondern immer die Jahreskosten für genau Ihren Verbrauch.
Der zweite Punkt: Ihr monatlicher Abschlag ist nur eine Schätzung. Verbrauchen Sie mehr als geschätzt, kommt am Jahresende eine Nachzahlung — verbrauchen Sie weniger, gibt es Geld zurück. Lesen Sie Ihren Zählerstand ein- bis zweimal im Jahr selbst ab und notieren Sie ihn. So erkennen Sie eine drohende Nachzahlung früh, können den Abschlag anpassen lassen und haben im Streitfall einen Beweis in der Hand.
Was tun, wenn schon eine hohe Nachzahlung da ist?
Ist die Nachzahlung bereits im Briefkasten, hilft Sparen nichts mehr für das vergangene Jahr — aber Sie haben trotzdem Rechte und Handlungsmöglichkeiten:
- Rechnung prüfen: Stimmen Anfangs- und Endzählerstand mit Ihren eigenen Notizen überein? Ist der abgerechnete Zeitraum korrekt? Fehler passieren häufiger, als man denkt.
- Ratenzahlung verlangen: Können Sie eine hohe Nachzahlung nicht auf einmal stemmen, haben Sie oft Anspruch auf Ratenzahlung — fragen Sie aktiv beim Anbieter danach, bevor Mahnungen laufen.
- Abschlag anpassen: Lassen Sie den künftigen Abschlag realistisch setzen, damit sich das nächstes Jahr nicht wiederholt. Zu niedrige Abschläge verschieben das Problem nur.
- Sonderkündigung bei Preiserhöhung: Steckt hinter der Nachzahlung eine Preiserhöhung, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht — der ideale Moment, um zu einem günstigeren Tarif zu wechseln.
Eine Nachzahlung ist ein Weckruf, kein Schicksal. Wer danach die großen Hebel aus diesem Artikel angeht, verwandelt die böse Überraschung in eine dauerhaft niedrigere Rechnung.
Hebel 1: Weg vom teuren Grundversorger
Der wichtigste Satz zuerst: Sie dürfen Ihren Stromanbieter frei wählen. Jeder Verbraucher in Deutschland hat das Recht, den Lieferanten zu wechseln — Sie brauchen dafür weder die Erlaubnis des Vermieters noch die der Hausverwaltung. Und weil der Grundversorger fast immer der teuerste Anbieter am Ort ist, ist der Wechsel weg von ihm der größte einzelne Spar-Hebel, den Sie sofort ziehen können — je nach Haushalt 100 bis 300 Euro im Jahr (Finanztip, 2026; Verbraucherzentrale, 2026).
So läuft es unkompliziert ab: Sie vergleichen ein paar Angebote (etwa über die großen Tarifrechner), schließen den neuen Vertrag ab — und der neue Anbieter übernimmt in der Regel sogar die Kündigung des alten. Der Wechsel selbst läuft im Hintergrund, ohne dass Ihr Strom auch nur eine Sekunde ausfällt. Sie merken davon nichts außer der niedrigeren Rechnung.
Ein Beispiel: Wer heute beim Grundversorger für 2.500 Kilowattstunden rund 1.050 Euro zahlt und zu einem soliden Tarif mit Preisgarantie wechselt, landet schnell bei 800 bis 850 Euro — gut 200 Euro gespart, für einmal Vergleichen und einen Klick. Kein anderer Handgriff in diesem Artikel bringt so viel in so kurzer Zeit.
Ein paar Fallstricke sollten Sie kennen, damit aus dem Sparmodell keine Falle wird:
- Neukunden-Bonus prüfen: Wird der Bonus wirklich als Gutschrift ausgezahlt — oder nur rechnerisch im Vergleichsportal angerechnet? Nur ein echter, ausgezahlter Bonus zählt.
- Keine Vorkasse, keine Kaution: Anbieter, die im Voraus Geld verlangen, meiden Sie besser. Geht so ein Anbieter pleite, ist Ihr Geld weg.
- Preisgarantie statt Pakettarif: Eine Preisgarantie deckelt Ihren Preis. Pakettarife („2.000 kWh für X Euro“) bestrafen Sie, wenn Sie mehr oder weniger verbrauchen.
- Kurze Kündigungsfrist: Zwölf Monate Laufzeit mit kurzer Kündigungsfrist sind ideal. Verträge, die Sie über Monate binden, lehnen Sie ab.
Ein sauber gewählter Tarif ist keine einmalige Sache: Prüfen Sie einmal im Jahr, ob Ihr Anbieter noch konkurrenzfähig ist. Der teuerste Tarif ist fast immer der, um den man sich nie gekümmert hat.
Grün ist nicht gleich grün: der Ökostrom-Hinweis
Beim Vergleich stoßen Sie auf viele „Ökostrom“-Tarife. Gut zu wissen: Viele davon funktionieren nur über zugekaufte Herkunftsnachweise — physikalisch fließt bei Ihnen weiter der übliche Strommix, und ein solcher Nachweis allein bringt keinen zusätzlichen Ausbau erneuerbarer Energien (Umweltbundesamt, 2025). Ist Ihnen echter Klimanutzen wichtig, achten Sie auf Tarife mit anerkannten Labels wie „Grüner Strom“ oder „ok-power“, die Investitionen in neue Anlagen vorschreiben. Der ehrlichste grüne Strom überhaupt ist aber der, der direkt vom Dach Ihres Hauses kommt — dazu gleich mehr.
Hebel 2: Die heimlichen Stromfresser
Der zweite große Hebel steckt in Ihrer Wohnung — aber nicht dort, wo die meisten zuerst suchen. Nicht das Handy-Ladegerät und nicht die eine Glühbirne entscheiden über Ihre Rechnung, sondern eine Handvoll echter Großverbraucher:
- Elektrisches Warmwasser: Wird Ihr Warmwasser über einen elektrischen Durchlauferhitzer oder Boiler erzeugt, ist das oft der größte Posten überhaupt — mehrere Hundert Euro im Jahr. Kürzer und kühler duschen, einen Sparduschkopf nutzen und die Boiler-Temperatur nicht unnötig hoch stellen, wirkt hier spürbar.
- Kühl- und Gefriergeräte: Sie laufen rund um die Uhr. Ein altes Gerät (zehn Jahre und älter) kann doppelt so viel verbrauchen wie ein sparsames neues. Kühlschrank auf 7 Grad, Gefrierfach auf minus 18 Grad — jedes Grad kälter kostet zusätzlich Strom.
- Waschen und Trocknen: Waschen bei 30 statt 60 Grad reicht für normale Wäsche und spart einen großen Teil der Energie. Der Wäschetrockner ist einer der hungrigsten Helfer im Haushalt — Wäscheleine schlägt ihn immer.
- Standby und heimliche Verbraucher: Fernseher, Router, Konsole, Ladegeräte — was ständig auf Bereitschaft steht, summiert sich für einen durchschnittlichen Haushalt auf mehrere Dutzend bis über 100 Euro im Jahr (co2online; Verbraucherzentrale). Abschaltbare Steckdosenleisten sind hier das einfachste Werkzeug.
Der Rest ist Feinschliff: LED statt alter Lampen, Deckel auf den Topf, Wasserkocher statt Herdplatte. Das schadet nie — aber verlieren Sie sich nicht in Cent-Beträgen, solange die großen Posten oben nicht angegangen sind. Zur Orientierung, wo Ihr Geld wirklich hinfließt:
| Bereich | Anteil an der Rechnung | Größter Hebel |
|---|---|---|
| Warmwasser (elektrisch) | sehr hoch | kürzer/kühler duschen, Sparduschkopf |
| Kühlen und Gefrieren | hoch | altes Gerät ersetzen, richtige Temperatur |
| Waschen und Trocknen | mittel bis hoch | 30 Grad waschen, Trockner meiden |
| Kochen und Küche | mittel | Deckel nutzen, Restwärme, Wasserkocher |
| Unterhaltung und Standby | mittel | abschaltbare Steckdosenleisten |
Die genauen Beträge hängen von Ihren Geräten und Ihrem Verhalten ab — die Reihenfolge der Hebel bleibt aber meist gleich.
Hebel 3: Machen Sie Ihren Verbrauch sichtbar
Sie können nur senken, was Sie sehen. Deshalb lohnt es sich, den eigenen Verbrauch einmal sichtbar zu machen. Am einfachsten mit einem kleinen Strommessgerät für die Steckdose — damit finden Sie in einer Woche heraus, welches Gerät heimlich Geld zieht. Noch komfortabler ist der moderne digitale Zähler: Er zeigt Ihren Verbrauch genauer an, und über das Portal des Messstellenbetreibers sehen Sie, wann Sie wie viel verbrauchen.
Wenn Sie einen digitalen Zähler oder ein intelligentes Messsystem im Haus haben, öffnet sich außerdem die Tür zu variablen Stromtarifen, die seit 2025 angeboten werden müssen: Strom ist dann in bestimmten Stunden günstiger. Für Haushalte, die Wäsche oder Spülmaschine flexibel laufen lassen können, ist das ein zusätzlicher Hebel. Was der digitale Zähler kostet und was er darf, ist ein Thema für sich — Mieter zahlen dafür nur einen gesetzlich gedeckelten Betrag.
Der versteckte Posten: Allgemeinstrom und Heizstrom
Ein Teil Ihrer Stromkosten taucht gar nicht auf Ihrer eigenen Rechnung auf — sondern in den Nebenkosten. Der Allgemeinstrom für Treppenhauslicht, Aufzug, Keller, Außenbeleuchtung oder die Heizungspumpe wird über die Betriebskostenabrechnung auf alle Mieter umgelegt. Ein Blick lohnt sich: Prüfen Sie in Ihrer jährlichen Abrechnung den Posten „Allgemeinstrom“ und den Umlageschlüssel. Auffällig hohe Werte sind ein berechtigter Anlass, bei der Hausverwaltung nachzufragen.
Noch größer wird der Posten, wenn Ihre Wohnung mit Strom heizt — etwa über eine Nachtspeicherheizung oder eine Wärmepumpe. Dann macht der Heizstrom oft den Löwenanteil Ihres Verbrauchs aus. Hier gibt es häufig spezielle, günstigere Heizstromtarife und — bei steuerbaren Geräten — reduzierte Netzentgelte. Fragen Sie gezielt danach; bei diesen Mengen ist die Ersparnis erheblich. Und genau bei hohem Stromverbrauch wirkt sich später auch Mieterstrom am stärksten aus.
Balkonkraftwerk: der Sparhebel zum Selbermachen
Einen Teil Ihres Stroms können Sie sogar selbst erzeugen — mit einem Balkonkraftwerk. Ein oder zwei Solarmodule am Balkon, auf der Terrasse oder im Garten speisen Strom direkt in Ihre Steckdose, den Sie sofort verbrauchen. Seit 2024 ist das für Mieter deutlich einfacher geworden: Die Anmeldung läuft nur noch über das Marktstammdatenregister, und Vermieter oder Eigentümergemeinschaft können ein Steckersolargerät kaum noch grundlos verbieten (§ 554 BGB). Ein Balkonkraftwerk deckt einen Teil Ihres Grundverbrauchs und amortisiert sich oft in wenigen Jahren.
Die Grenze: Ein Balkonkraftwerk liefert nur einen kleinen Anteil dessen, was ein Haushalt braucht — es ist ein sinnvoller Baustein, kein Ersatz für einen günstigen Tarif oder für Mieterstrom fürs ganze Haus. Wer beides kombiniert, holt am meisten heraus. Was genau erlaubt ist und wie die Anmeldung Schritt für Schritt funktioniert, schauen wir uns in einem eigenen Beitrag im Detail an.
Der größte Hebel liegt über Ihrem Kopf
Jetzt kommt der Punkt, den kaum ein Spartipp-Artikel erwähnt — obwohl er oft am meisten bringt. Der günstigste Strom ist der, der gar nicht erst durchs Netz muss, sondern direkt vom Dach Ihres Hauses kommt. Erzeugt eine Solaranlage auf Ihrem Mehrfamilienhaus den Strom, den Sie verbrauchen, nennt man das Mieterstrom. Und der ist gesetzlich gedeckelt: Er darf höchstens 90 % des örtlichen Grundversorgertarifs kosten (§ 42a Abs. 4 EnWG). In der Praxis zahlen Mieter damit meist 10 bis 20 % weniger — dauerhaft, ohne einen einzigen Handgriff und ohne eigene Investition.
Anders als beim Anbieterwechsel oder beim Gerätetausch müssen Sie diesen Hebel nicht selbst umlegen — die Anlage gehört dem Eigentümer. Aber Sie können ihn anstoßen. Wie günstiger Solarstrom vom eigenen Dach für Sie als Mieter genau funktioniert, lesen Sie in „Solaranlage auf dem Mietshaus: Habe ich als Mieter etwas davon?“. Die Grundlagen erklärt „Was ist Mieterstrom?“, und die konkreten Kosten aus Mietersicht rechnet „Mieterstrom-Kosten für Mieter 2026“ vor.
Der Unterschied im Alltag: Statt jeden Herbst zu bangen, was der neue Tarif kostet, kommt Ihr Strom aus einer Quelle, die Sie sehen können — vom Dach über Ihnen. Günstiger, echt grün, und mit einem Preis, der gesetzlich an den Grundversorger gekoppelt ist und ihn immer unterbieten muss. Diesen Hebel legt kein Tarifrechner um — aber ein Satz von Ihnen an die richtige Stelle kann ihn in Gang setzen.
So bringen Sie es ins Gespräch
Ihr Haus hat noch keinen Mieterstrom? So stoßen Sie ihn an.
Der Solarstrom vom eigenen Dach ist der dauerhaft günstigste Strom, den Sie bekommen können — aber die Entscheidung liegt beim Eigentümer. Sprechen Sie Ihre Hausverwaltung oder Ihren Vermieter an. Von uns bekommen Sie die Argumente, die Zahlen und eine kostenlose Ersteinschätzung für Ihr Gebäude an die Hand, damit aus Ihrer Frage schnell ein Angebot wird.
Argumente anfordern →Ganz ehrlich: Was sich lohnt — und was Zeitverschwendung ist
Weil im Netz so viele Spartipps kursieren, hier die ehrliche Rangfolge nach Wirkung. Viel bringen: der Wechsel weg vom Grundversorger, der Umgang mit elektrischem Warmwasser, der Austausch eines uralten Kühl- oder Gefriergeräts, der Verzicht auf den Trockner — und, wenn verfügbar, Mieterstrom. Wenig bringen: einzelne Lampen, das Ziehen jedes Ladegeräts, das Optimieren von Geräten, die ohnehin kaum laufen. Das ist nicht falsch, aber es ersetzt keinen der großen Hebel.
Unser Rat: Nehmen Sie sich einmal eine halbe Stunde für die großen Posten — Tarif prüfen, Warmwasser und Kühlgeräte anschauen, Verbrauch messen. Diese halbe Stunde bringt mehr als ein Jahr Cent-Zählen an der Steckdose.
Ein Gedanke zur Einordnung: Kleine Sparmaßnahmen fühlen sich gut an, weil man sofort etwas tut. Die großen Hebel fühlen sich unbequem an, weil sie einen Vergleich, einen Anruf oder eine Frage an den Vermieter bedeuten. Genau deshalb bleiben sie liegen — und genau deshalb sind sie so wirkungsvoll. Fangen Sie bei dem an, was ein bisschen Überwindung kostet, nicht bei dem, was leichtfällt. Ihr Geldbeutel bedankt sich für die richtige Reihenfolge.
Häufige Fragen
Darf ich als Mieter meinen Stromanbieter frei wählen?
Ja. Jeder Verbraucher hat das Recht, den Stromanbieter frei zu wählen — ohne Zustimmung von Vermieter oder Hausverwaltung. Die einzige Ausnahme betrifft nicht die Wahl selbst: Nehmen Sie freiwillig an Mieterstrom teil, sind Sie für die Vertragslaufzeit Kunde des Mieterstrom-Anbieters — kündigen und wechseln können Sie trotzdem jederzeit.
Wie viel spart ein Anbieterwechsel wirklich?
Je nach Haushalt und Ausgangstarif meist 100 bis 300 Euro im Jahr — vor allem, wenn Sie vom Grundversorger weg wechseln, der fast immer der teuerste Tarif am Ort ist.
Was ist der größte Stromfresser im Haushalt?
Oft die elektrische Warmwasserbereitung (Durchlauferhitzer oder Boiler) und alte Kühl- oder Gefriergeräte, die rund um die Uhr laufen. Der Wäschetrockner gehört ebenfalls zu den hungrigsten Geräten.
Ist der Grundversorger immer am teuersten?
Fast immer. Der Grundversorgungstarif ist der Standardtarif, in den man ohne eigenes Zutun rutscht — und meist deutlich teurer als ein aktiv gewählter Tarif. Genau deshalb deckelt der Gesetzgeber den Mieterstrompreis auf höchstens 90 % davon.
Bringt Mieterstrom fürs Sparen mehr als ein Anbieterwechsel?
Häufig ja — und vor allem dauerhaft. Mieterstrom ist gesetzlich mindestens 10 % günstiger als der Grundversorger, in der Praxis oft 15 bis 20 %, und Sie müssen sich um nichts kümmern. Der Haken: Es muss eine Anlage auf Ihrem Dach geben — oder jemand muss sie anstoßen.
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk, um Stromkosten zu senken?
Für viele Mieter ja: Ein Balkonkraftwerk deckt einen Teil Ihres Grundverbrauchs und ist seit 2024 auch mietrechtlich kaum noch zu verbieten. Es ersetzt aber keinen Mieterstrom fürs ganze Haus, sondern ergänzt ihn.
Warum habe ich plötzlich eine Nachzahlung bekommen?
Weil Ihr monatlicher Abschlag nur eine Schätzung ist. Haben Sie mehr verbraucht als geschätzt — oder ist der Preis gestiegen —, entsteht am Jahresende eine Nachzahlung. Lesen Sie Ihren Zählerstand selbst ab, dann sehen Sie das früh kommen und können den Abschlag anpassen lassen.
Kann mein Vermieter mir einen Stromanbieter vorschreiben?
Nein. Die Wahl des Stromanbieters für Ihre Wohnung liegt bei Ihnen. Auch Mieterstrom ist ein freiwilliges Angebot — niemand darf Sie zwingen, ihn abzunehmen (Kopplungsverbot, § 42a Abs. 2 EnWG).
Was ist der Unterschied zwischen Grundpreis und Arbeitspreis?
Der Grundpreis ist ein fester Jahresbetrag, den Sie unabhängig vom Verbrauch zahlen. Der Arbeitspreis sind die Cent pro verbrauchter Kilowattstunde. Für einen fairen Vergleich zählen immer die Jahreskosten aus beidem zusammen — nicht der Cent-Preis allein.
Wie oft sollte ich meinen Stromtarif prüfen?
Einmal im Jahr reicht. Viele günstige Tarife gelten vor allem im ersten Jahr; danach lohnt ein erneuter Vergleich, damit Sie nicht unbemerkt in einen teuren Anschlusstarif rutschen.
Was ist wichtiger — Strom sparen oder den Anbieter wechseln?
Beides zusammen. Der Anbieterwechsel senkt den Preis pro Kilowattstunde sofort und ohne Verzicht, das Sparen senkt die verbrauchte Menge. Der Wechsel ist meist der schnellere und größere Hebel — verzichten müssen Sie dafür auf nichts.
Wenig Zeit? Die 20-Minuten-Version
Wenn Sie nur eine Sache aus diesem Artikel mitnehmen, dann diese kurze Liste — abgearbeitet in unter einer halben Stunde, mit dem größten Effekt fürs Geld:
- Aktuellen Tarif heraussuchen und in einem Tarifrechner mit dem günstigsten Angebot vor Ort vergleichen. Lohnt der Wechsel, gleich beauftragen.
- Prüfen, wie Ihr Warmwasser erzeugt wird. Elektrisch? Dann ist das Ihr größter Einzelhebel.
- Alter Ihres Kühl- oder Gefrierschranks checken — bei zehn Jahren und älter lohnt der Blick auf ein sparsames Gerät.
- Eine abschaltbare Steckdosenleiste an den Fernseh- und Router-Bereich hängen.
- Bei Vermieter oder Hausverwaltung fragen: Gibt es hier Mieterstrom — oder ist er geplant?
Fazit: Erst die großen Hebel, dann der Feinschliff
Als Mieter sind Sie Ihrer Stromrechnung nicht ausgeliefert. Die größten Hebel liegen klar auf der Hand: weg vom teuren Grundversorger, die echten Stromfresser zähmen, den Verbrauch sichtbar machen. Wer diese drei Dinge angeht, spart im Jahr schnell einen dreistelligen Betrag — mehr als jede noch so lange Liste kleiner Tricks.
Und der größte Hebel liegt oft über Ihrem Kopf: Solarstrom vom eigenen Dach ist der dauerhaft günstigste Strom, den Sie bekommen können. Sehen Sie mit dem kostenlosen Potenzialrechner in zwei Minuten, ob sich Ihr Gebäude eignet, oder verschaffen Sie sich auf unserer Mieterstrom-Übersicht und im Photovoltaik-Überblick das ganze Bild.
Passend aus unserer Mieter-Reihe
Quellen
- BDEW — Strompreis aktuell (2026): https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/gaspreis-strompreis-aktuell/
- Finanztip — Stromvergleich und Strompreis (2026): https://www.finanztip.de/stromvergleich/strompreis/
- Finanztip — Stromanbieter wechseln (2026): https://www.finanztip.de/stromanbieter-wechseln/
- Bundesnetzagentur — Strompreise und Lieferantenwechsel: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Vportal/Energie/start.html
- Verbraucherzentrale — Energie sparen im Haushalt: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie
- co2online — Stromfresser und Standby-Verbrauch: https://www.co2online.de/energie-sparen/strom-sparen/
- § 42a EnWG — Mieterstrom, Preisobergrenze (90 %): https://dejure.org/gesetze/EnWG/42a.html